Sophie Hundbiß

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The Commons

Eine digitale Lösung zur Peer-to-Peer Finanzhilfe.

Finanzielle Unterstützung findet in vielen Communities bereits statt, allerdings meist informell und über Kanäle, die dafür nicht gemacht sind: private Überweisungen, Messenger-Dienste oder öffentliche Crowdfunding-Plattformen. Diese Lösungen sind häufig intransparent, bürokratisch oder stigmatisierend.

Das zentrale Problem ist dabei nicht fehlende Solidarität, sondern fehlendes Vertrauen: in Plattformen, in Prozesse und in die Art, wie finanzielle Hilfe vermittelt wird. Besonders für marginalisierte Gruppen ist das Annehmen von Unterstützung oft mit Scham, Angst vor Bewertung oder Kontrollverlust verbunden. Digitale Angebote verstärken diese Hürden häufig, statt sie abzubauen.

Ich wünsche mir eine Plattform auf der ich mich auch austauschen kann. Bedenken habe ich eher in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit.

Nutzer:in, Online-Befragung

Ich bin motiviert Geld zu geben, wenn Leute in meinem nahen Umfeld es tun und es für mich sichtbar ist.

Nutzer:in, Online-Befragung

Im Rahmen eines zweiwöchigen Design Sprints bestand meine Aufgabe darin, ein digitales Plattformkonzept zu entwickeln, das Peer-to-Peer-Finanzhilfe:

  • stigmafrei, transparent und würdevoll ermöglicht
  • Vertrauen, Empathie und Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellt
  • sowohl Geben als auch Annehmen gleichwertig adressiert
  • niedrige Zugangshürden bietet und inklusiv gestaltet ist

Ziel war kein marktreifes Produkt, sondern ein belastbares Service-Design-Konzept, das zeigt, wie finanzielle Solidarität als menschliches, alltägliches digitales Produkt gestaltet werden kann.

Um emotionale und strukturelle Barrieren zu verstehen, führte ich Nutzer:inneninterviews, eine Online-Umfrage, eine Wettbewerbsanalyse sowie Card Sorting durch. Die Forschung zeigte: Fast alle Teilnehmenden hatten in den vergangenen Monaten finanzielle Unsicherheit erlebt. Viele gaben oder erhielten formlos finanzielle Hilfe. Entscheidend für die Nutzung waren Vertrauen, Anonymität und Einfachheit.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelte ich Personas und Journeys mit besonderem Fokus auf den ersten Kontakt mit der Plattform. Das Onboarding spielt dabei eine zentrale Rolle: Es muss Sicherheit vermitteln, Kontrolle geben und Vertrauen aufbauen, ohne zu überfordern oder zu bevormunden.

Eine wesentliche Designentscheidung war daher, Sprache und Inhalte konsequent aus Nutzendenperspektive zu formulieren: Texte wurden iterativ getestet, vereinfacht und auf ihre emotionale Wirkung hin überarbeitet. Community Guidelines, Tutorial-Texte und Interface-Labels wurden so gestaltet, dass sie nicht belehren, sondern einladen.


Ich reduzierte die Informationsarchitektur bewusst auf klare und lineare Schritte. Die Wireframes sowie einen High-Fidelity-Prototyp gestaltete ich mit folgenden Schwerpunkten:

  • schrittweises und verständliches Onboarding
  • optionale anonyme Nutzung
  • transparente Regeln und Community-Guidelines
  • klare Fortschrittsanzeigen und einfache Interaktionen
  • barrierebewusstes visuelles Design mit warmem, zugänglichem Charakter

Usability-Tests flossen wiederholt in die Weiterentwicklung ein. Auf Basis des Feedbacks vereinfachte ich Onboarding und Tutorial Content weiter. Außerdem präzisierte ich die Labels und optimierte Typografie und Buttons, um Lesbarkeit und Zugänglichkeit zu erhöhen.

Drei iPhone-Screenshots der App „The Commons". Erstes Bild: Onboarding-Seite „Community Guidelines" mit einem Icon zweier schützender Hände und einem Text über gemeinsame Verantwortung, Respekt und Empathie. Zweites Bild: Startseite im hellen Modus mit drei Inhaltskarten – ein Lernbeitrag „What are commons?", ein Unterstützungseintrag mit einer Geldspende von 10 €, und ein Community-Event „Herstory – FLINTA* Money Talk". Navigation unten mit „Community" und „Support". Drittes Bild: Dieselbe Startseite im Dunkelmodus.
Drei iPhone-Screenshots des interaktiven App-Tutorials von „The Commons". Erstes Bild: Tutorial-Overlay mit der Erklärung der App-Funktionen und zwei Buttons „Start Tutorial" und „Skip Tutorial". Zweites Bild: Tutorial-Schritt mit Hinweis auf den Support-Button in der unteren Navigation, hervorgehoben durch ein animiertes Klick-Icon. Drittes Bild: Tutorial-Schritt mit Erklärung des Lernbereichs „What are commons?" und Hinweis auf weiterführende Informationen zur Idee hinter The Commons.

Das Ergebnis ist ein getesteter High-Fidelity-Prototyp, der zeigt, wie digitale Services finanzielle Unterstützung als kollektive, vertrauensvolle Praxis erfahrbar machen können. The Commons schafft einen Rahmen, in dem Geben und Nehmen gleichwertig, transparent und würdevoll gestaltet sind – ohne Scham, Komplexität oder unnötige Hürden.

Das Konzept verdeutlicht, wie Service Design im sensiblen Finanzkontext dazu beitragen kann, Vertrauen aufzubauen, emotionale Sicherheit zu schaffen und solidarisches Handeln digital zu unterstützen.